Siglufjörður: Nordislands charmanteste Fischerstadt

Siglufjörður liegt am Ende eines tiefen Fjords nahe der Nordspitze Islands und ist mit rund 1.200 Einwohnern eine der charmantesten Kleinstädte des Landes. Bis in die 1960er Jahre war es der Mittelpunkt von Islands Heringsfischerei und zeitweise der meistbevölkerte Ort außerhalb von Reykjavík. Als die Heringsbestände zusammenbrachen, verließen Tausende die Stadt. Was blieb, ist ein gut erhaltenes historisches Stadtzentrum, ein preisgekröntes Museum, ein kleines Skigebiet direkt hinter der Stadt und eine Atmosphäre, die das Gegenteil von touristischer Massenvermarktung ist.

Anreise nach Siglufjörður

Mit dem Auto von Akureyri (80 km): Die schnellste Route führt durch zwei Tunnel: den Héðinsfjarðargöng-Tunnel (2010) und den Strákagöng-Tunnel (2005), die den Weg erheblich verkürzen. Fahrtzeit ca. 1 Stunde.

Mit dem Auto auf der alten Strecke: Die ältere, kurvige Küstenstraße über Ólafsfjörður ist landschaftlich eindrucksvoller, dauert aber deutlich länger und kann im Winter schwierig sein.

Mit dem Bus: Strætó fährt saisonal von Akureyri nach Siglufjörður (Route 76). Fahrtzeit ca. 1,5–2 Stunden.

Von Reykjavík: Ca. 450 km über die Ringstraße und Route 76, Fahrtzeit 5–6 Stunden.

Heringszeitalter-Museum (Síldarminjasafnið)

Dies ist das Hauptziel in Siglufjörður und eines der besten thematischen Museen Islands. Das Museum in drei historischen Gebäuden am Hafen dokumentiert die Zeit von 1900 bis 1960, als Siglufjörður das Zentrum des isländischen Hering-Fangbooms war. Es zeigt restaurierte Salzhäuser, ein Fischerboot aus der Ära, Maschinen zur Heringsverarbeitung und gibt einen detaillierten Einblick in das harte Arbeitsleben der sogenannten Sildarkonur – der Frauen, die den Hering einlegten und salzten.

  • Eintritt ca. ISK 2.200
  • Geöffnet von Juni bis September täglich, andere Monate auf Anfrage
  • Audioguide auf Deutsch verfügbar

Das Museum hat mehrere internationale Auszeichnungen gewonnen und ist mehr als eine Lokalgeschichte – es ist ein Dokument einer ganzen Ära isländischer Wirtschaftsgeschichte.

Skigebiet Siglufjörður

Das kleine Skigebiet Skarðsdalur liegt direkt hinter der Stadt und ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Es hat sechs Pisten auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden, zwei Lifte und einen Schlepplift. Die Saison läuft typischerweise von Dezember bis April, manchmal länger.

  • Tagesticket ca. ISK 4.500
  • Verleih vor Ort vorhanden
  • Anfänger- und familienfreundlich

Das Skigebiet ist klein im Vergleich zu Hlíðarfjall in Akureyri, aber die kurzen Wege und die ruhige Atmosphäre haben ihren eigenen Reiz.

Wandern rund um Siglufjörður

Hvannstóð-Gipfel (1.083 m): Die klassische Wanderung von Siglufjörður auf den markantesten Gipfel des umliegenden Berges. Anspruchsvoll, aber gut ausgeschildert. Vom Gipfel überblickt man den Fjord und die umliegende Bergkette. Dauer ca. 4–6 Stunden hin und zurück, je nach Tempo.

Hestfjarðarháls: Passübergang nach Héðinsfjörður, ein verlassener Fjord auf der anderen Seite des Berges. Der Fjord war bis in die 1950er Jahre bewohnt – die Ruinen der Häuser sind noch sichtbar. Mittelschwere Wanderung, ca. 3–4 Stunden Rundtour.

Spazierwege am Hafen: Für kürzere Spaziergänge gibt es einen Weg entlang des Hafens und durch die Altstadt.

Hofsos und die Umgebung

Hofsós (40 km südlich): Ein weiterer kleiner Fischerort mit einem bemerkenswerten Freibad direkt am Fjord – eines der am besten gelegenen Schwimmbäder Islands. Das Wasser ist beheiztes Geothermalwasser. Eintritt ca. ISK 900.

Skagafjörður: Die gesamte Region südlich von Siglufjörður ist für Pferdezucht bekannt. Reiterhöfe bieten Touren auf isländischen Pferden an.

Essen und Trinken in Siglufjörður

Kaffi Rauðka: Das Hauptcafé der Stadt, im historischen roten Gebäude direkt am Hafen. Suppen, Sandwiches und Kuchen. Im Sommer oft voll, da viele Tagesbesucher für das Museum kommen.

Sigló Hótel Restaurant: Gehobenes Restaurant im Boutique-Hotel, isländische Küche mit Blick auf den Fjord.

Harbjarnarskáli: Bar und Restaurant im Sommer am Hafen.

Unterkünfte in Siglufjörður

  • Sigló Hótel: Das schönste Hotel der Stadt, direkt am Hafen, mit eigenem Spa-Bereich. Ab ca. ISK 30.000. Empfehlung für besondere Anlässe.
  • Héðinsgata Guesthouse: Günstigere Option, ca. ISK 14.000–18.000.
  • Hvammur Guesthouse: Einfache Zimmer, familiengeführt.
  • Camping: Saisonal, am Stadtrand.

Praktische Tipps

  • Beste Reisezeit: Juni–August für das Museum und Wanderungen; Dezember–März für Skifahren.
  • Kombination: Siglufjörður lässt sich gut mit Ólafsfjörður und Dalvík zu einer Nordisland-Rundtour kombinieren, die auch Walbeobachtungstouren von Dalvík umfasst.
  • Winter: Im Winter kann der Pass zum alten Tunnel wegen Lawinengefahr oder Schneestürmen gesperrt sein. Aktuelle Straßeninfos auf road.is prüfen.
  • Tagesausflug: Ein Tagesausflug von Akureyri nach Siglufjörður ist gut machbar, reicht aber nur für das Museum und einen Spaziergang. Für Wanderungen übernachten empfehlen.

→ Touren auf Island buchen