Ostfjorde Islands: Reiseführer für die stille Küste
Die Ostfjorde Islands sind die am wenigsten bereiste Region des Landes – und genau das macht sie für viele Reisende attraktiv. Während der Süden von Reisegruppen überflutet wird und der Norden Hochsaison in Húsavík und Mývatn erlebt, fahren die meisten Besucher durch die Ostfjorde einfach hindurch. Wer sich Zeit nimmt, findet hier tiefe Fjorde mit nahezu senkrechten Wänden, kleine Fischerdörfer mit wenigen Hundert Einwohnern, und einige der besten Wanderwege Islands.
Anreise in die Ostfjorde
Mit dem Auto auf der Ringstraße: Die Ringstraße (Route 1) durchquert die Ostfjorde zwischen Höfn im Südosten und Egilsstaðir im Nordosten. Die Fahrt von Reykjavík beträgt ca. 700 km (6–7 Stunden Fahrzeit ohne Pausen). Die meisten Reisenden fahren den Ring im Uhrzeigersinn und kommen über die Südküste.
Mit dem Flugzeug: Von Reykjavík gibt es mehrmals täglich Flüge nach Egilsstaðir (EGS), dem größten Flughafen Ostislands. Flugzeit ca. 1 Stunde, Kosten ISK 10.000–25.000 je nach Buchungszeitpunkt.
Mit der Fähre: Die Smyril Line fährt von Hirtshals (Dänemark) über die Färöer Inseln nach Seyðisfjörður. Die Überfahrt aus Dänemark dauert je nach Route 2–3 Tage. Für Reisende, die ein Fahrzeug mitnehmen möchten, ist das eine beliebte Option. Buchung weit im Voraus empfohlen, besonders im Sommer.
Mit dem Bus: Strætó betreibt saisonale Busdienste entlang der Ringstraße, die auch Egilsstaðir und einige weitere Orte der Ostfjorde bedienen.
Seyðisfjörður
Seyðisfjörður ist die bekannteste Stadt der Ostfjorde und Ankunftshafen der Smyril Line. Die Stadt liegt am Ende eines langen Fjords und hat rund 700 Einwohner. Die bunten Holzhäuser aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen aus der Zeit, als norwegische und dänische Kaufleute und Fischer hier Handel trieben. Die Blaue Kirche (Bláa kirkjan) an der Hauptstraße ist das meistfotografierte Gebäude der Region.
Seyðisfjörður ist bekannt für sein aktives Kunstleben – mehrere Galerien und Künstlerateliers sind im Sommer geöffnet. Die Wanderwege rund um die Stadt führen auf die Hochebene oberhalb des Fjords, von wo aus man einen außergewöhnlichen Blick auf die Fjordkurven hat.
Borgarfjörður Eystri und die Papageitaucher
Das Dorf Borgarfjörður Eystri (auch Bakkagerði genannt) liegt an der Nordküste der Ostfjorde und ist mit rund 100 Einwohnern eines der kleinsten bewohnten Orte Islands. Es ist bekannt für seine Papageitaucher-Kolonie: Vom Aussichtspunkt Hafnarhólmi aus kann man die Vögel in wenigen Metern Abstand beobachten – ohne Führung, kostenlos, von Ende Mai bis August.
Die Region ist auch bekannt für Rhyolith-Berge in ungewöhnlichen Farben – rötlich, grünlich, orange – die an einen kleinen Snæfellsnes erinnern. Der Wanderweg Brúnavík gilt als einer der schönsten kürzeren Wanderungen Ostislands.
Höhepunkte der Ostfjorde
Lónsöræfi: Dieses abgelegene Hochlandgebiet südlich von Egilsstaðir bietet mehrtägige Wanderungen durch Rhyolith-Schluchten und entlang von Gletscherflüssen. Zugang nur mit Allradfahrzeug oder Wandern.
Stöðvarfjörður: Das kleinste Dorf mit einem bemerkenswerten Steinmuseum – Petra’s Stone Collection – privat gesammelt über Jahrzehnte und heute ein frei zugängliches Museum mit Tausenden von Mineralien und Steinen.
Djúpivogur: Kleines Fischerdorf mit einem Kunstprojekt am Hafen: 34 übergroße Eierskulpturen verschiedener isländischer Vogelarten stehen entlang des Kais.
Heringszeitalter-Museum in Seyðisfjörður: Zeigt die Geschichte der Heringsfischerei, die im frühen 20. Jahrhundert die wirtschaftliche Grundlage der gesamten Region bildete.
Wandern in den Ostfjorden
Die Ostfjorde bieten einige der besten Tageswanderungen Islands:
- Vattarnes nach Loðmundarfjörður: Mehrstündige Küstenwanderung entlang unbewohnter Fjorde.
- Stórurð: Wanderung zu einer atemberaubenden Ansammlung riesiger Felsbrocken in einem kleinen Bergsee nördlich von Borgarfjörður Eystri. Mittlere Schwierigkeit, ca. 3–4 Stunden.
- Kirkjubær über Fjallsárlón: Wanderungen mit Gletscherblick entlang des südlichen Teils der Ostfjorde.
Unterkünfte
In den Ostfjorden sind Gästehäuser und kleine Pensionen die häufigste Unterkunftsform:
- Seyðisfjörður: Múlaskáli Guesthouse, Hotel Aldan (gehobene Kategorie)
- Egilsstaðir: Hotel Egilsstaðir, mehrere Guesthouses ab ca. ISK 12.000
- Borgarfjörður Eystri: Einige Gästehäuser und Schlafsäcke, Camping möglich
Praktische Tipps
- Tankstellen: Selten und weit auseinander. Immer mit vollem Tank fahren.
- F-Straßen: Einige Bergstraßen in die abgelegenen Fjorde erfordern Allradfahrzeug. Nie auf gesperrten F-Straßen fahren.
- Smyril Line: Bei Ankunft per Fähre in Seyðisfjörður ist ein vorab gemietetes Auto am Pier empfehlenswert – der öffentliche Nahverkehr ist begrenzt.
- Saison: Juli und August sind die besten Monate für Papageitaucher und Wandern. Außerhalb der Saison sind viele kleine Gästehäuser geschlossen.
- Mobilfunk: Außerhalb der Ortschaften oft kein Empfang. Offline-Karten herunterladen (Maps.me oder maps.google.com offline).