Snæfellsnes-Halbinsel: Islands Miniaturversion
Die Snæfellsnes-Halbinsel ragt vom Westisland in den Atlantik und wird oft als „Island im Kleinen” bezeichnet – weil sie in kompakter Form fast alles bietet, was die Insel ausmacht: Gletscher, Vulkane, Lavafelder, Vogelfelsen, Fischerdörfer, Strände und schwarze Sandküsten. Die Halbinsel ist 90 Kilometer lang und lässt sich in einem langen Tagesausflug von Reykjavík erkunden – mit viel mehr zu sehen, wenn man übernachtet.
Anreise zur Snæfellsnes-Halbinsel
Mit dem Auto von Reykjavík: Ca. 180 km nach Stykkishólmur (Nordküste) oder 220 km zum Snæfellsjökull-Gletscher (Westspitze). Fahrtzeit 2–2,5 Stunden für den ersten Stopp. Die Route führt über Borgarnes und dann auf die Route 54.
Mit dem Bus: Strætó fährt ganzjährig von Reykjavík nach Stykkishólmur (Linie 58). Saisonal gibt es weitere Verbindungen auf der Halbinsel, aber für die Westspitze und abgelegenere Ziele ist ein Auto notwendig.
Mit der Fähre Baldur: Von Stykkishólmur fährt die Fähre Baldur nach Brjánslækur in den Westfjorden. Damit lässt sich Snæfellsnes mit einem Westfjorde-Besuch verbinden. Fähre täglich im Sommer.
Tagesausflug vs. Übernachten: An einem Tag ist die Nordküste oder die Südküste machbar, aber nicht beides. Mit einer Übernachtung in Grundarfjörður oder Hellissandur lässt sich die gesamte Halbinsel erkunden.
Snæfellsjökull-Gletscher und Nationalpark
Der Snæfellsjökull ist ein 1.446 Meter hoher Stratovulkan, der von einem Gletscher bedeckt ist. Er ist der westlichste Punkt Islands und bildete das literarische Eingangstor für Jules Vernes Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde” (1864). In der isländischen Mythologie gilt er auch als Kraftort.
Der gesamte westliche Teil der Halbinsel bildet den Snæfellsjökull-Nationalpark (gegründet 2001). Der Park enthält:
- Lavafelder: Mehrere Lavaströme verschiedener Epochen bedecken die Umgebung des Vulkans.
- Vogelfelsen Lóndrangar: Zwei Basaltsäulen (75 m und 61 m hoch) steigen aus dem Meer – Nistplatz für Papageitaucher und Dreizehenmöwen.
- Djúpalón Black Beach: Ein Strand mit vier historischen Hebsteinen (Aflraunasteinar), mit denen Fischer ihre Stärke maßen. Der 154 kg schwere Stein gilt als Mindestvoraussetzung für die Deckmannschaft.
- Gletschertouren: Geführte Gletschertouren zum Snæfellsjökull werden von lokalen Anbietern angeboten. Ca. ISK 10.000–15.000.
Kirkjufell – Islands meistfotografierter Berg
Der 463 Meter hohe Kirkjufell bei Grundarfjörður auf der Nordküste wurde durch die Fernsehserie „Game of Thrones” international bekannt (der „Spearhead Mountain”). Der Berg hat eine charakteristische spitz zulaufende Form und ist kaum zu verfehlen. Der kleine Wasserfall Kirkjufellsfoss liegt direkt daneben und macht die Komposition komplett.
Der Weg zum Gipfel ist steil und an einigen Stellen mit Ketten gesichert – für erfahrene Wanderer. Die meisten Besucher fotografieren vom Parkplatz aus.
Arnarstapi und Hellnar
Arnarstapi ist ein kleines Fischerdorf auf der Südküste der Halbinsel, bekannt für seine Basaltkliffs und die Möwen- und Seeschwalben-Kolonien. Eine Küstenwanderung von 2,3 km verbindet Arnarstapi mit Hellnar, dem Nachbardorf. Die Klippen entlang dieser Strecke zeigen dramatische Höhlen und Bögen im Basaltgestein.
In Hellnar gibt es ein kleines Café (Fjöruhúsið), das für hausgemachten Kuchen und Lammsuppe bekannt ist.
Stykkishólmur
Stykkishólmur ist der größte Ort der Halbinsel (rund 1.200 Einwohner) und liegt auf der Nordküste. Es ist der Ausgangspunkt für die Baldur-Fähre zu den Westfjorden und für Bootstouren durch die Breiðafjörður-Bucht mit ihren tausenden kleinen Inseln.
Norska Húsið (Norwegisches Haus): Historisches Museum zur Geschichte der norwegisch-isländischen Handelsbeziehungen. Eintritt ca. ISK 1.200.
Volcano Museum (Eldfjallasafn): Zeigt isländische Vulkangeologie mit echter Lava und Aschematerial. Eintritt ca. ISK 2.000.
Rauðfeldsgjá-Schlucht
Die Rauðfeldsgjá ist ein enger Spalt im Basaltfels nahe Arnarstapi. Man kann zwischen die Felswände waten (es gibt einen kleinen Bach) und mehrere Meter in die Schlucht eindringen. Ein einzigartiges Erlebnis, kostenlos, kein Parkplatz ausgewiesen.
Unterkünfte auf Snæfellsnes
- Stykkishólmur: Hotel Egilsen, Hótel Stykkishólmur (ab ca. ISK 22.000)
- Grundarfjörður: Hotel Framtíð, Guesthouses (ab ca. ISK 16.000)
- Hellissandur (nahe Nationalpark): Guesthouses und Ferienappartements
- Camping: Mehrere Campingplätze auf der Halbinsel, saisonal
Praktische Tipps
- Ringstraße der Halbinsel: Die Rundfahrt um die gesamte Halbinsel beträgt ca. 200 km – gut an einem Tag machbar, wenn man früh losfährt und wenig hält.
- Tanken: Letzte verlässliche Tankstelle in Stykkishólmur oder Grundarfjörður; an der Westspitze gibt es keine.
- Wetter: Snæfellsnes ist oft wolkenverhangen – der Gletscher ist nicht immer sichtbar. Mehr als 60 Prozent der Besucher sehen ihn laut lokaler Schätzungen im Sommer nicht von unten.
- Lónndrangar und Djúpalón: Kein Eintrittsgeld, Parkplätze vorhanden.
- Papageitaucher: Auf Lóndrangar und nahe Arnarstapi von Mai bis August sichtbar.