Islands Westen beherbergt zwei der dramatischsten Landschaften des Landes – durch eine kurze Fährüberfahrt getrennt, aber in Charakter und Erlebnis sehr verschieden. Snæfellsnes und die Westfjorde belohnen Reisende, die die Ringstraße verlassen, sprechen aber unterschiedliche Besucher an.
Überblick
Snæfellsnes ist eine ca. 80 km lange Halbinsel, die westlich von Reykjavík in den Atlantik ragt. Das prägende Merkmal ist der Snæfellsjökull – der Gletscher-Vulkan, den Jules Verne als Eingang zum Mittelpunkt der Erde nutzte. Die Straßen sind vollständig asphaltiert, die Distanzen überschaubar, und Reykjavík ist nur etwa 90 Minuten vom östlichen Halbinselrand entfernt.
Die Westfjorde sind Islands abgelegenste Region – ein massives Halbinsel-Labyrinth mit langen Fjorden, wenig Bevölkerung und Straßen, die sich in engen Kurven durch die Gebirge winden. Dynjandi, der mehrstufige Wasserfall, ist das bekannteste Einzelziel. Látrabjarg, die westlichste Klippe Europas, ist einer der wichtigsten Papageitaucher-Brutplätze der Welt.
Erreichbarkeit
Snæfellsnes ist von Reykjavík aus für einen Tagesausflug gut erreichbar. 90 Minuten Fahrt bis zur Ostgrenze, 2,5–3 Stunden bis Arnarstapi. Die gesamte Halbinsel ist auf normalen asphaltierten Straßen fahrbar – kein Allradfahrzeug nötig.
Westfjorde: Die Fahrt dauert 5–7 Stunden (je nach Ziel) von Reykjavík. Viele Straßen in den Westfjorden sind Schotterpisten, die bei schlechtem Wetter schwierig werden. Alternativ gibt es Flüge von Reykjavík nach Ísafjörður (ca. 45 Minuten, ab ISK 8.000 einfach). Eine Fähre (Baldur) verbindet Stykkishólmur auf Snæfellsnes mit Brjánslækur in den Westfjorden (ca. ISK 6.000 pro Person, Fahrzeug extra).
Wandern und Natur
Snæfellsnes: Geführte Gletschertouren auf den Snæfellsjökull, Küstenwanderung Arnarstapi–Hellnar, Kirkjufell-Besteigung (anspruchsvoll). Das Angebot ist gut organisiert und gut ausgeschildert.
Westfjorde: Hornstrandir-Naturreservat (nur per Boot erreichbar, mehrtägige Trekkingrouten), Dynjandi-Wanderung (kurz und für alle geeignet), Kayaking von Ísafjörður. Das Wanderangebot ist weniger infrastrukturiert – mehr Eigenständigkeit gefragt, mehr Einsamkeit garantiert.
Tierwelt
Snæfellsnes: Papageitaucher auf den Klippen bei Arnarstapi (Mai–August), Wale im Breiðafjörður (Walbeobachtungstouren von Grundarfjörður und Stykkishólmur).
Westfjorde: Látrabjarg beherbergt Millionen von Papageitauchern, Tordalken und Trottellummen auf den höchsten Klippen Europas. Füchse im Hornstrandir-Reservat, da sie dort nicht gejagt werden.
Für wen passt was?
Snæfellsnes passt, wenn:
- Die Reisezeit begrenzt ist (Tagesausflug ab Reykjavík möglich)
- Gletschererlebnisse auf der Agenda stehen
- Kein Allradfahrzeug vorhanden ist
- Komfort und gute Versorgung gewünscht werden
Westfjorde passen, wenn:
- Einsamkeit und unberührte Natur Priorität haben
- Mehrere freie Tage vorhanden sind
- Eigenständiges Erkunden abseits der Touristenströme gewünscht wird
- Látrabjarg und Dynjandi auf der Wunschliste stehen
Snæfellsnes gewinnt für Erreichbarkeit und kompaktes Naturerlebnis; die Westfjorde gewinnen für Wildheit und Einsamkeit — wer Zeit hat, sollte beide bereisen, beginnend mit Snæfellsnes.