Westmännerinseln (Vestmannaeyjar): Vollständiger Reiseführer
Die Westmännerinseln (Vestmannaeyjar) sind ein Archipel von 15 Inseln und rund 30 Schären vor der Südküste Islands, etwa 10 Kilometer vom Festland entfernt. Die einzige bewohnte Insel ist Heimaey, Heimat von rund 4.300 Menschen. Die Inseln sind für drei Dinge bekannt: den Vulkanausbruch von 1973, der fast die gesamte Bevölkerung vertrieb; die größte Papageitaucher-Brutkolonie der Welt; und als Ort der Einwanderungsgeschichte – die irischen Mönche (Vestmenn, die Westmänner) sollen hier die ersten Spuren hinterlassen haben.
Anreise zu den Westmännerinseln
Mit der Fähre Herjólfur: Die Fähre fährt von Landeyjahöfn (nahe Selfoss/Þorlákshöfn) nach Heimaey. Die Fährfahrt dauert ca. 35–45 Minuten. Mehrere Abfahrten täglich, auch früh morgens und abends. Preise ca. ISK 1.700 pro Person einfach, PKW ca. ISK 5.000 (Stand 2026). Buchung im Voraus empfohlen, besonders im Sommer. Fahrplan auf herjolfur.is.
Alternativ gibt es eine ältere Route von Þorlákshöfn mit längerer Fährzeit (ca. 3 Stunden), die seltener bedient wird.
Mit dem Flugzeug: Eagle Air fliegt mehrmals täglich von Reykjavík nach Heimaey (HEI). Flugzeit ca. 25 Minuten. Praktisch bei schlechtem Wetter, wenn die Fähre nicht fährt. Tickets ab ca. ISK 8.000.
Wichtig: Bei starkem Wind kann die Fähre ausfallen. Die Inseln sind dann nur per Flugzeug erreichbar.
Eldfell-Vulkan und der Ausbruch von 1973
In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 1973 öffnete sich eine Eruptionsspalte direkt hinter dem Dorf auf Heimaey. Die gesamte Bevölkerung (ca. 5.300 Menschen) wurde innerhalb von 24 Stunden evakuiert – ein Großteil auf Fischerbooten, die gerade im Hafen lagen. Der Ausbruch dauerte 5 Monate und begrub rund 400 Häuser unter Lava und Asche. Gleichzeitig wuchs die Insel um ca. 2,5 km².
Heute ist der Eldfell (Feuerhügel, 204 m) eine der beliebtesten Wanderungen auf Heimaey. Der Gipfel ist 30–45 Minuten vom Zentrum entfernt. Teilweise ist der Boden noch warm – einige Zentimeter unter der Oberfläche. Kein Eintritt.
Auf dem Weg zum Eldfell sieht man die Lavafront von 1973 direkt: Dächer ragen hier aus der erstarrten Lava heraus, und Teile der alten Straßen sind noch sichtbar.
Eldheimar Museum
Das Eldheimar-Museum (eröffnet 2014) ist das Hauptmuseum der Inseln und erzählt die Geschichte des Ausbruchs von 1973. Das Herzstück ist ein ausgegrabenes Haus, das unter der Lava begraben wurde und nun als Teil der Ausstellung zugänglich ist. Interaktive Stationen, historische Fotos und persönliche Zeugnisse von Bewohnern machen das Museum zu einem der besten in Island.
Eintritt ca. ISK 2.800. Audioguide auf Deutsch verfügbar. Geöffnet täglich, ganzjährig.
Papageitaucher auf Heimaey
Heimaey beherbergt die größte Papageitaucher-Brutkolonie der Welt – schätzungsweise 8–10 Millionen Vögel brüten auf den Westmännerinseln in der Saison. Die Vögel sind an mehreren Stellen der Insel zu beobachten:
Stórhöfði-Kap: Der südlichste Punkt der Insel, bekannt für Wind und eine dichte Papageitaucher-Kolonie. Der Wanderweg führt direkt an den Brutlöchern vorbei.
Kliffwege rund um Heimaey: Die gesamte Südküste der Insel bietet Papageitaucher-Sichtungen von Mai bis August.
Papageitaucher-Rettung: Junge Papageitaucher verlassen im August nachts die Nester und fliegen oft in Richtung Stadtlichter statt aufs Meer. Die Einwohner (und Besucher) sammeln verwirrte Küken auf und tragen sie zum Strand. Eine merkwürdige, aber herzliche isländische Tradition.
Heimaey-Dorf und Hafen
Die Stadt Heimaey ist kompakt und zu Fuß gut erkundbar:
Hafen: Der Fischereihafen ist aktiv und zeigt den wirtschaftlichen Kern der Inseln. Die Westmännerinseln sind einer der wichtigsten Fischereistandorte Islands.
Aquarium und Naturkundemuseum: Zeigt lokale Meeresfauna und die Natur der Inseln. Eintritt ca. ISK 1.200.
Völkerwanderungskirche (Landakirkja): Die Kirche der Inseln mit einem Gemälde, das die Evakuierung von 1973 zeigt.
Wandern auf Heimaey
Helgafell (227 m): Der ältere der beiden Vulkankegel auf Heimaey, der seit 6.000 Jahren inaktiv ist. Schöner Aussichtspunkt, ca. 30 Minuten Aufstieg.
Eldfell (204 m): Jüngerer Vulkankegel von 1973, warmer Boden, einzigartige Lavalandschaft.
Stórhöfði: Küstenwanderung zum windreichsten Punkt Islands.
Sprangan-Klippe: Historische Klippe, von der Fischer früher mit langen Seilen an die Vogelnester abstiegen.
Boottouren und Aktivitäten
Rib-Bootstouren: Touren zu den unbewohnten Inseln des Archipels, Papageitaucher-Beobachtung vom Wasser aus, Seekajak.
Puffin Scout: Saisonale Bootstouren speziell für Papageitaucher-Beobachtung.
Unterkünfte auf Heimaey
- Hotel Vestmannaeyjar: Das größte Hotel der Inseln, zentral. Ab ca. ISK 22.000.
- Guesthouse Hamar: Einfacher, günstig, zentral.
- Camping: Campingplatz neben dem Freibad, saisonal, ca. ISK 1.500 pro Person.
Essen auf Heimaey
Einsi Kaldi: Bierbar und Restaurant, isländische Küche und Burgern, Abendessen.
Gott: Café und Restaurant, beliebt bei Einheimischen, gute Suppen und Sandwiches.
Slippurinn: Höheres Preisniveau, bekannt für kreative isländische Küche mit lokalen Zutaten. Im Sommer ausgebucht – reservieren.
Krónan Supermarkt: Für Selbstversorger.
Praktische Tipps
- Wetter: Die Inseln sind sehr windreich – der Stórhöfði gilt als einer der windigsten Orte Islands. Immer Windjacke mitnehmen.
- Fähre buchen: Im Sommer früh buchen, besonders wenn man einen PKW mitnehmen will.
- Mindestaufenthalt: Ein Tag reicht für Eldfell, Eldheimar und Hafen. Zwei Tage für Stórhöfði, Papageitaucher-Kliffs und Bootstouren.
- Reisezeit: Mai–August für Papageitaucher. Ganzjährig für Eldheimar und Eldfell.