Island ist eines der wenigen Reiseziele, wo eine Reiseversicherung keine optionale Absicherung, sondern eine echte Notwendigkeit ist. Der Grund: Bergrettungseinsätze im isländischen Hochland können Kosten von Hunderttausenden isländischen Kronen verursachen – und diese Kosten werden nicht automatisch vom öffentlichen Gesundheitssystem oder der Reisekrankenversicherung gedeckt.
Warum Island besondere Risiken hat
Islands Natur ist faszinierend, aber auch gefährlich. Aktive Vulkane, Gletscherspalten, unvorhersehbares Wetter und weitgehend unbesiedelte Hochlandregionen machen das Land anspruchsvoll. Wer vom markierten Weg abweicht oder in schwierigem Gelände unterwegs ist, kann schnell auf Hilfe angewiesen sein.
Die isländische Such- und Rettungsorganisation ICE-SAR (Landsbjörg) ist freiwillig, professionell und effektiv – aber Rettungseinsätze sind nicht kostenlos. Bei Hubschrauber-Evakuierungen aus dem Hochland können Kosten von ISK 500.000 bis über eine Million anfallen. Wer nicht versichert ist, zahlt selbst.
Was eine gute Islandversicherung abdecken sollte
Beim Abschluss einer Reiseversicherung für Island sollte man auf folgende Punkte achten:
Notfallmedizin und Krankenhauskosten: Das Laugardalur-Krankenhaus (Landspítali) in Reykjavík ist der größte Träger – Behandlungen sind nicht kostenlos für ausländische Staatsbürger ohne EU-Krankenversicherungskarte (EHIC).
Such- und Rettungseinsätze (SAR): Explizit nachfragen, ob Such- und Rettungskosten inbegriffen sind. Viele Standard-Reisekrankenversicherungen decken nur medizinische Behandlung, nicht aber die Kosten für den Rettungseinsatz selbst.
Abenteuerliche Aktivitäten: Gletscher-Wanderungen, Schneemobilfahrten, Canyoning und Hochlandtouren gelten bei vielen Versicherern als Risikosportarten und sind nicht automatisch im Standardschutz enthalten. Einen entsprechenden Zusatzbaustein buchen.
Reiserücktritt und Reiseabbruch: Bei Vulkanausbrüchen (in Island keine Seltenheit) können sich Verhältnisse schnell ändern. Eine Reiserücktrittsversicherung lohnt sich, besonders bei teuren Buchungen.
Reisegepäck: Weniger kritisch, aber sinnvoll – Ausrüstung für Islandreisen ist teuer.
EU-Krankenversicherungskarte (EHIC)
Island ist Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), daher gilt die EHIC-Karte für EU-Bürger. Sie deckt medizinisch notwendige Behandlungen zu denselben Konditionen wie für isländische Staatsbürger. Aber: Die EHIC deckt keine Bergrettungs- oder SAR-Kosten. Sie ist kein Ersatz für eine Reiseversicherung.
Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsbürger sollten die EHIC-Karte mitnehmen, aber zusätzlich eine Reiseversicherung mit SAR-Deckung abschließen.
Empfohlene Anbieter
Wir nennen keine spezifischen Versicherungsanbieter nach Name, da sich Konditionen und Preise laufend ändern. Beim Vergleich sollte man auf folgende Aspekte achten:
- Deckungssumme für Notfall-Evakuierung: mindestens EUR 50.000–100.000
- SAR-Kosten explizit eingeschlossen
- Abenteuer-/Outdoor-Aktivitäten inbegriffen oder als Zusatz buchbar
- 24/7-Notfallhotline auf Deutsch oder Englisch
Vergleichsportale wie Check24 (Deutschland) oder Comparis (Schweiz) eignen sich für einen ersten Überblick.
Im Notfall: Was tun?
- Notruf Island: 112 (für alle Notfälle)
- ICE-SAR App: Die „112 Iceland”-App ermöglicht das Teilen des eigenen Standorts mit den Rettungsdiensten – kostenlos, in vielen Sprachen verfügbar, unbedingt vor Hochlandtouren installieren
- Landspítali Krankenhaus Reykjavík: Der Laugardalur-Campus ist die größte Notaufnahme des Landes, Adresse: Hringbraut 101 Reykjavík
Hochland-Besonderheiten
Die isländischen Hochlandpisten (F-Straßen) sind nur für Allradfahrzeuge zugelassen und meist von Juni bis September geöffnet. Wer eine F-Straße mit einem normalen Mietwagen befährt, verliert in der Regel den Versicherungsschutz für den Mietwagen – und das Risiko trägt man selbst. Vor jeder Hochlandtour die Versicherungsbedingungen des Mietwagens prüfen.
Eine gut gewählte Reiseversicherung kostet für eine einwöchige Islandreise in der Regel zwischen EUR 30 und EUR 80 – deutlich weniger als ein einziger SAR-Einsatz.
Reiseversicherung
Eine Reiseversicherung lohnt sich, gleichzeitig mit dem Visum zu besorgen — sie deckt medizinische Behandlungen, Notfallevakuierungen und Reisestornierungen ab, falls sich Ihre Pläne vor der Abreise ändern. Wir empfehlen EKTA für unkomplizierte Policen, die die meisten Nationalitäten für diese Reisedestination abdecken. Ein Angebot dauert unter fünf Minuten, und der Einzelreiseschutz beginnt typischerweise bei etwa 25 € für einen zweiwöchigen Aufenthalt.