Island ist das wichtigste Brutgebiet des Atlantischen Papageientauchers (Fratercula arctica) weltweit. Etwa 60 % aller Atlantischen Papageientaucher – das entspricht ca. 3–4 Millionen Vögel – brüten in Island, hauptsächlich zwischen Mai und August. Damit ist Island das beste Ziel der Welt, um diese charmanten Seevögel in freier Wildbahn zu beobachten.
Wann kommen die Papageientaucher?
- Ankunft: Ende April bis Anfang Mai
- Brutsaison: Mai bis Mitte August
- Abreise: August–September (Jungvögel verlassen die Kolonien in der zweiten Augusthälfte)
- Beste Beobachtungszeit: Juni und Juli – dann sind die Kolonien am aktivsten
Außerhalb dieser Monate halten sich Papageientaucher auf dem offenen Meer auf und sind kaum zu beobachten.
Die besten Beobachtungsstandorte
Látrabjarg-Klippen (Westfjorde)
Látrabjarg ist die größte Seevogel-Klippe Europas und beherbergt Millionen von Vögeln – Papageientaucher, Tordalk, Trottellumme und andere Arten. Die Klippe ist 14 km lang und bis zu 440 m hoch.
- Lage: Westljorde, westlichster Punkt Islands
- Eintritt: kostenlos
- Anreise: 5–7 Stunden von Reykjavík (Fähre oder Fahrt durch die Westfjorde)
- Besonderheit: Papageientaucher sind hier besonders zutraulich und lassen sich aus wenigen Metern Entfernung beobachten
Vestmannaeyjar (Westmännerinseln)
Die Inselgruppe vor der Südküste ist die wichtigste Brutkolonie Islands für Papageientaucher. Allein auf Heimaey, der größten Insel, brüten rund 1,5 Millionen Vögel.
- Lage: 30–60 Minuten per Fähre von Landeyjahöfn (Südküste)
- Fähre: Herjólfur, mehrmals täglich; Preise ca. ISK 1.700 pro Person einfach
- Eintritt zu den Spots: kostenlos
- Besonderheit: Zwischen August und September helfen Einheimische jedes Jahr verirrten Jungtieren zurück ins Meer – ein einzigartiges Ereignis namens Puffling Patrol
Borgarfjörður Eystri (Ostfjorde)
Dieses kleine Dorf in den Ostfjorden beherbergt eine der größten zugänglichen Brutkolonien Islands. Ein Holzsteg führt direkt zu den Erdhöhlen der Vögel.
- Lage: Ostfjorde, 670 km von Reykjavík
- Eintritt: kostenlos
- Besonderheit: Ihr könnt Papageientaucher auf wenige Meter herankommen lassen – ideal für Fotografen
Reynisfjara und Dyrhólaey (Südküste)
Rund um Vík brüten Papageientaucher in den Klippen von Dyrhólaey und dem nahen Reynisfjall-Felsrücken. Die Kombination von schwarzem Strand, Basaltsäulen und Papageientauchern in der Luft ist fotografisch unschlagbar.
- Lage: Südküste, ca. 180 km von Reykjavík
- Eintritt: kostenlos
- Hinweis: Erklimmt nicht die Klippen – Absturzgefahr und geschützte Brutgebiete
Grímsey (Arktischer Kreis)
Die kleine Insel Grímsey liegt nördlich des Polarkreises und ist ein weiterer Hotspot für Vogelbeobachtung.
Bootstouren ab Reykjavík
Von Reykjavíks Althafen starten Papageientaucher-Bootstouren von Ende Mai bis August:
- Dauer: 1–1,5 Stunden
- Preis: ca. ISK 5.900–8.900 pro Person
- Anbieter: Elding, Special Tours
- Was ihr seht: Papageientaucher auf dem Wasser und beim Landen, gelegentlich Wale und Delfine
Die Bootstouren sind kürzer und günstiger als Walbeobachtungstouren und eignen sich gut als schneller Nachmittagsausflug.
Fotografietipps
- Teleobjektiv: 200–400 mm empfohlen für gute Aufnahmen ohne die Vögel zu stören
- Wartet geduldig: Papageientaucher landen und starten regelmäßig – beobachtet Flugmuster und wartet auf den richtigen Moment
- Früher Morgen ist am besten: weniger Touristen, besseres Licht, aktivere Vögel
- Seid ruhig: Laute Geräusche vertreiben die Vögel
Papageientaucher sind neugierige Vögel und kommen oft aus eigener Initiative näher, wenn ihr stillsitzt und keine Bedrohung darstellt.