Mývatnsee: Geothermisches Wunderland in Nordisland

Der Mývatnsee liegt im Nordosten Islands, etwa 100 km östlich von Akureyri, und ist das Zentrum einer der aktivsten Vulkanlandschaften Islands. Der See selbst entstand durch Lavaaustritte und Gletscherschmelze vor rund 2.300 Jahren. Die Region bietet eine seltene Konzentration geologischer Sehenswürdigkeiten auf kleiner Fläche: Pseudokrater, Lavasäulen, Erdwärme-Felder, einen aktiven Vulkankrater und natürliche Thermalbäder. Dazu kommt eine reiche Vogelwelt – im Sommer brüten hier mehr Entenarten als irgendwo sonst in Europa.

Anreise zum Mývatnsee

Mit dem Auto: Von Akureyri auf der Route 1 Richtung Osten, dann Route 848 zum See. Fahrtzeit ca. 1 Stunde (100 km). Von Reykjavík ca. 500 km (5–6 Stunden).

Mit dem Bus: Strætó fährt in der Hauptsaison von Akureyri nach Mývatn (Reykjahlíð). Die Fahrt dauert ca. 1,5 Stunden.

Mit einem Tagesausflug: Viele Anbieter in Akureyri bieten Tagestouren nach Mývatn an, die mehrere Hauptattraktionen kombinieren.

Das kleine Dorf Reykjahlíð am Nordostufer des Sees ist die Basis für die meisten Besucher.

Pseudokrater (Skútustaðagígar)

Die Pseudokrater am Südende des Sees sind die bekannteste Sehenswürdigkeit der Region. Diese kleinen Kratertrichter entstanden nicht durch Vulkanismus im eigentlichen Sinne – Lava strömte über einen See, das kochende Wasser sprengte die Lavakruste auf und hinterließ diese grubenartigen Formen. Die Pseudokrater sind bis zu 5 Meter tief und 50 Meter breit. Ein kurzer Wanderweg führt durch das Gebiet. Kein Eintritt.

Dimmuborgir – die schwarzen Burgen

Dimmuborgir ist ein ausgedehntes Lavafeld mit bizarren Türmen, Bögen und Höhlen, die durch abkühlende Lavaströme entstanden sind. Der bekannteste Bogen heißt Kirkjan (Die Kirche). Gut markierte Wanderwege (20 Minuten bis 2 Stunden) ermöglichen verschiedene Rundgänge durch das Gebiet. Ein Besucherzentrum mit Café ist vorhanden. Eintritt frei.

In der isländischen Folklore gilt Dimmuborgir als Wohnstätte böser Wesen – und als Heimat der Yule Lads (Jólasveinar), der isländischen Variante des Weihnachtsmanns.

Mývatn Nature Baths

Die Mývatn Nature Baths (Jarðböðin við Mývatn) sind das nordisländische Gegenstück zur Blauen Lagune – aber kleiner, ruhiger und weniger touristisch überlaufen. Der Thermalsee wird von natürlichem Geothermalwasser gespeist, das eine Temperatur von ca. 38–40 °C hat. Das Wasser ist reich an Mineralien und hat eine leicht blaue Färbung durch gelöstes Silizium. Eintritt ca. ISK 5.500 (Stand 2026). Geöffnet ganzjährig, aber im Sommer abends (nach 17 Uhr) weniger voll.

Krafla-Vulkan und Viti-Krater

Das Krafla-Vulkansystem liegt ca. 7 km nördlich des Sees. Der Krafla-Vulkan war zuletzt von 1975 bis 1984 aktiv (neun Ausbrüche), und die Gegend ist noch heute geothermisch hochaktiv.

Viti-Krater: Ein kleiner Explosinskrater aus dem Jahr 1724, der einen türkisfarbenen Kratersee enthält. Der Blick in den Krater ist einfach und kurz zu Fuß vom Parkplatz erreichbar. Kein Eintrittsgeld.

Leirhnjúkur: Eine aktive Fumarolenfeld direkt unterhalb des Krafla-Gipfels. Der Boden ist heiß, das Gestein noch jung und schwarz, Schwefelgase steigen auf. Eine der eindrücklichsten Mondlandschaften Islands. Kurzer Rundweg vom Parkplatz (ca. 45 Minuten).

Vogelleben am Mývatn

Im Sommer ist der Mývatn ein außergewöhnliches Vogelbeobachtungsgebiet. Über 15 Entenarten brüten hier, darunter die seltene Bergente (Aythya marila), Harlequin-Ente und Knäkente. Papageitaucher sind in der Gegend nicht am See, aber in der Küstennähe zu finden.

Vorsicht: Die namensgebenden Mücken des Sees (Mý = Mücke, vatn = See) sind im Sommer allgegenwärtig. Sie stechen meist nicht, aber schwärmen in großen Wolken und sind unangenehm. Ein Mückennetz für den Kopf ist empfehlenswert.

Unterkünfte am Mývatn

  • Hotel Laxá: Komfortables Hotel am Seeufer, ab ca. ISK 25.000.
  • Guesthouse Stöng: Preiswerte Option in Reykjahlíð.
  • Dimmuborgir Guesthouse: Direkt am Lavafeld, ruhige Lage.
  • Camping: Mehrere Campingplätze rund um den See, ca. ISK 1.500–2.000 pro Person.

Essen am Mývatn

Vogafjós Farm Resort: Das bekannteste Restaurant der Region, direkt am Seeufer. Serviert isländische Spezialitäten und – als Besonderheit – im Geothermalwasser gegarte Roggenbrot. Hauptgerichte ca. ISK 4.000–7.500.

Hotel Laxá Restaurant: Gute Alternative, ebenfalls mit isländischer Küche.

Gamli Bærinn (Eldá): Einfacheres Café-Restaurant.

Praktische Tipps

  • Reisezeit: Sommer (Juni–August) für Vogelleben und alle Attraktionen. Im Winter sind Mývatn Nature Baths und Krafla-Gebiet zugänglich, die meisten anderen Attraktionen unter Schnee.
  • Mücken: Mai–August kann die Mückendichte extrem hoch sein. Mückennetz und helle Kleidung mitbringen.
  • Tagesausflug vs. Übernachten: Ein Tagesausflug von Akureyri erlaubt 4–5 Stunden vor Ort – ausreichend für die Hauptsehenswürdigkeiten, aber ein Übernachten ermöglicht Früh- und Abendbesuche mit weniger Besuchern.

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