Der Mývatn-See liegt im Zentrum einer der geologisch dichtesten Regionen Islands. Innerhalb einer Autostunde sind Europas stärkster Wasserfall, ein aktiver Vulkankrater, ein Hufeisencanyon und ein Wasserfall, der Island seinen Namen gab, erreichbar. Der See selbst füllt einen vollen Tag – wer zwei oder drei Nächte bleibt, erschließt die Umgebung erheblich.
Krafla-Vulkan und Víti-Kratersee
Entfernung vom Mývatn: 7 km nördlich auf Route 863 – ca. 10 Minuten Fahrt
Der Krafla-Zentralvulkan brach zuletzt 1984 aus und ist weiterhin geothermal aktiv. Die Straße vorbei am Krafla-Geothermalkraftwerk führt zum Parkplatz unterhalb der Caldera. Von dort gelangt man in kurzem Fußweg zum Rand des Víti, eines mit türkisfarbenem Wasser gefüllten Explosionskraters. Der Aufstieg zum Kraterrand dauert ca. 15 Minuten; die Runde dauert weitere 20 Minuten.
Eintritt frei. Keine Buchung erforderlich. Der Wanderweg zum Leirhnjúkur-Lavafeld beginnt ebenfalls hier – eine 3–4 km-Runde über junge Lava mit aktiven Fumarolen.
Hverir (Námaskarð) Geothermalfeld
Entfernung vom Mývatn: 5 km östlich auf Route 1 – ca. 5 Minuten Fahrt
Brodelnde Schlammtöpfe, Dampfaustritte und Schwefelablagerungen bedecken eine weite Hangfläche am Fuß des Námafjall-Bergs. Der Boden ist orange und gelb, der Geruch von Schwefelwasserstoff deutlich spürbar. Stegwege und markierte Pfade erlauben sicheres Erkunden. Bitte auf den Pfaden bleiben – die dünne Kruste zwischen aktiven Bereichen ist nicht immer stabil.
Eintritt frei. Keine Einrichtungen außer einem kleinen Parkplatz. Ca. 30–45 Minuten einplanen. Am besten zusammen mit Krafla am Vormittag besuchen.
Dimmuborgir-Lavafeld und Hverfjall-Krater
Entfernung vom Mývatn: 4 km südlich von Reykjahlíð auf Route 848
Dimmuborgir ist ein dramatisches Lavafeld, in dem zusammengebrochene Lavaröhren ein Labyrinth aus Bögen, Türmen und Höhlen geschaffen haben. Mehrere Wanderwege verschiedener Länge (kürzester ca. 30 Minuten, längster ca. 2 Stunden) schlängeln sich durch die Formationen. Die Gegend ist in der isländischen Folklore mit den Weihnachtstrollen (den dreizehn Jólasveinar) verbunden.
Unmittelbar nördlich liegt Hverfjall, ein Schlackenkrater von ca. 1 km Durchmesser und 160 m Tiefe, entstanden vor rund 2.500 Jahren. Der Aufstieg zum Kraterrand dauert ca. 15–20 Minuten; die Runde um den Krater ist 3,5 km und dauert ca. 45 Minuten. Eintritt frei. Parkgebühr Dimmuborgir ca. ISK 700 (Stand 2026).
Goðafoss – Wasserfall der Götter
Entfernung vom Mývatn: 50 km westlich auf Route 1 – ca. 40 Minuten Fahrt
Goðafoss verdankt seinen Namen einem Moment in Islands Geschichte: Im Jahr 1000 n. Chr. soll der Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði seine nordischen Götzen in die Fälle geworfen haben, nachdem er am Althing entschieden hatte, dass Island das Christentum annehmen solle.
Der Wasserfall überspannt ca. 30 m und stürzt 12 m über ein gebogenes Basaltbett. Der kurze Weg vom Parkplatz zu den besten Aussichtspunkten an beiden Ufern dauert insgesamt ca. 15 Minuten. Eintritt frei.
Goðafoss lässt sich gut mit einem Ausflug nach Akureyri (30 km weiter westlich) verbinden – praktischer Mittags- und Einkaufsstopp vor der Rückfahrt zum Mývatn.
Dettifoss – Europas stärkster Wasserfall
Entfernung vom Mývatn: 65–80 km nordöstlich – ca. 1–1,5 Stunden Fahrt
Dettifoss transportiert mehr Wasser pro Sekunde als jeder andere Wasserfall in Europa – durchschnittlich ca. 193 m³/Sek., im Sommer noch mehr durch Gletscherschmelze. Der Wasserfall ist 44 m hoch und 100 m breit; das Tosen und der Sprühnebel sind vom Parkplatz aus spür- und sichtbar, bevor man den Rand erreicht.
Zwei Anfahrtswege:
- Route 862 (Westufer): Asphaltiert, für alle Fahrzeuge zugänglich. Direktblick in die Fälle.
- Route 864 (Ostufer): Unbefestigter Kiesweg, langsamer, aber auch im Sommer mit 2WD befahrbar.
Selfoss – 1 km flussaufwärts, breiter und flacher – lohnt sich als Ergänzung. Für Dettifoss und Selfoss zusammen 2–3 Stunden einplanen. Eintritt frei. Parkgebühr ca. ISK 1.000 (Stand 2026).
Ásbyrgi-Canyon
Entfernung vom Mývatn: 100 km nordöstlich – ca. 1 Stunde 15 Minuten Fahrt
Ásbyrgi ist ein hufeisenförmiger Canyon von ca. 3,5 km Länge und 1 km Breite, mit 100 m hohen Wänden auf drei Seiten. Die nordische Sage besagt, er sei entstanden, als Sleipnir, Odins achtbeiniges Pferd, kurz die Erde berührte. Der Canyon liegt innerhalb des Vatnajökull-Nationalparks; Eintritt frei.
Der Talboden ist mit Birken und Eberesche bewachsen. Markierte Wanderwege reichen von einem kurzen Waldspaziergang (30 Minuten) bis zur vollständigen Canyon-Runde (3–4 Stunden). Der Besucherpavillon am Eingang bietet Karten und Toiletten.
Ásbyrgi eignet sich am besten als ganztägige Schleife ab Mývatn, kombiniert mit Dettifoss und Selfoss – die drei Ziele zusammen umfassen ca. 200 km und benötigen 8–9 Stunden inklusive Wanderzeit.