Þingvellir (auch geschrieben als Thingvellir) ist für Island das, was das Akropolis für Griechenland ist: ein Ort von tiefster historischer und symbolischer Bedeutung. Der Nationalpark liegt ca. 50 km nordöstlich von Reykjavík und ist seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe – gleichzeitig aus historischen und geologischen Gründen.
Historische Bedeutung
Þingvellir war der Versammlungsort des Althing – des ersten isländischen Parlaments, gegründet im Jahr 930 n. Chr. Hier trafen sich einmal jährlich Repräsentanten aus ganz Island, um Gesetze zu verabschieden, Handelsverträge zu schließen und Streitigkeiten beizulegen. Das Althing gilt als eines der ältesten Parlamente der Welt.
Wichtige historische Ereignisse in Þingvellir:
- 930: Gründung des Althing
- 1000: Annahme des Christentums als isländische Staatsreligion (hier abgestimmt)
- 1262: Island unterwirft sich dem norwegischen König
- 1944: Ausrufung der isländischen Republik (wieder in Þingvellir)
Der Lögberg (Gesetzesfelsen) war der zentrale Versammlungsort, von dem aus der Gesetzsprecher (lögsögumaður) die Gesetze laut verkündete.
Geologische Bedeutung
Þingvellir liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken, der Plattengrenze zwischen der Eurasischen und der Nordamerikanischen Kontinentalplatte. Diese Platten entfernen sich jährlich um ca. 2 cm voneinander – der Boden des Nationalparks versinkt messbar.
Das sichtbarste Ergebnis ist die Almankagja-Schlucht: eine bis zu 40 m tiefe Spalte im Lavagestein, durch die ein ausgezeichneter Wanderweg führt. Am Eingang der Schlucht verläuft die Öxará, der Fluss des Parks.
Weitere markante geologische Merkmale:
- Silfra-Spalte: Unterwasserriss, berühmt für Schnorcheln und Tauchen
- Þingvallavatn-See: Tiefster See Islands (114 m), gespeist durch Grundwasser vom Langjökull-Gletscher
- Lavafelder, Moosseen und Kraterseen über das gesamte Gelände
Wanderwege
Almankagja-Schlucht
- Länge: ca. 2 km (einfach, Rundweg ca. 4 km)
- Schwierigkeit: Einfach – flacher Weg, familiengeeignet
- Highlights: Almankagja-Spalte, Öxará-Fluss, Aussicht auf den Þingvallavatn-See, Lögberg
Flosagjá und Peningagjá
- Schwesterspalten zur Almankagja, ebenfalls gut zugänglich
- Peningagjá ist die „Wünschespalte” – Münzen auf dem Boden sind in Jahrzehnten angesammelt worden (wird nicht mehr empfohlen)
Längere Wanderungen
Der Park bietet markierte Wanderwege von 5–20 km Länge, die tiefer in die Lavafelder und zu abgelegeneren Seen führen.
Aktivitäten im Park
Schnorcheln und Tauchen in Silfra
Silfra ist die bekannteste Aktivität in Þingvellir (Details: siehe separaten Silfra-Artikel). Die Wassertemperatur beträgt 2–4 °C, die Sicht bis zu 100 m.
Angeln
Der Þingvallavatn-See ist berühmt für seine Forellen und gilt als eines der besten Angelgewässer Islands. Angelscheine erforderlich (erhältlich am Besucherzentrum).
Bogenschießen und Reiten (außerhalb des Parks)
In der näheren Umgebung gibt es Angebote für Bogenschießen und Reitwanderungen, die häufig als Add-on zu Goldener-Kreis-Touren buchbar sind.
Praktische Informationen
- Eintritt: Fußgänger kostenlos; Parkgebühr ISK 1.000 pro Auto
- Besucherzentrum: Öffnungszeiten variieren je Saison (typisch 9:00–18:00 Uhr); Ausstellungen zur Geschichte und Geologie des Parks
- Toiletten: Am Besucherzentrum und an mehreren Parkplätzen
- Gastronomie: Café am Besucherzentrum; Hotel Þingvellir mit Restaurant (etwas gehobener)
Anreise
- Von Reykjavík: 50 km, ca. 45–50 Minuten auf der Route 36 (Þingvallavegur)
- Teil des Goldenen Kreises: Þingvellir ist der erste Stopp auf der klassischen Goldener-Kreis-Route; von hier weiter über Laugarvatn nach Geysir und Gullfoss
Wann besuchen?
- Sommer (Juni–August): Lange Tage, voll ausgelastetes Besucherzentrum, grüne Landschaft – Þingvellir zeigt sich von seiner freundlichsten Seite
- Herbst (September–Oktober): Farbenprächtiges Laub, weniger Touristen, mögliche Nordlichter am Abend
- Winter: Schneebedeckte Landschaft, ruhigste Saison; Silfra-Schnorcheln ist auch im Winter möglich (und nach Meinung vieler Guides besonders beeindruckend)