Island ist eines der faszinierendsten Trekking-Ziele der Welt. Vulkane, Gletscher, Lavafelder, heiße Quellen und menschenleere Hochlandlandschaften machen das Land zu einem Paradies für Wanderer und Fernwanderer. Gleichzeitig ist das isländische Hochland kein einfaches Ziel – Wetter, Gelände und Logistik erfordern sorgfältige Planung. Wir geben euch alles, was ihr für eine erfolgreiche Trekkingtour braucht.
Haupttrekkingrouten in Island
Laugavegur Trail (55 km, 4 Tage)
Der berühmteste Trekkingweg Islands verläuft von Landmannalaugar nach Þórsmörk. Bunte Rhyolith-Berge, Schneefelder, Flussüberquerungen und geothermische Aktivität auf jeder Etappe. Schwierigkeit: Mittel bis anspruchsvoll. Hütten müssen Monate im Voraus gebucht werden.
Fimmvörðuháls (22 km, 1 Tag)
Verbindungstag zwischen Þórsmörk und Skógar über den Eyjafjallajökull-Kraterbereich. Schwierigkeit: Anspruchsvoll. Gute Kombination mit dem Laugavegur zu einer 5-Tage-Route.
Askja-Route (ca. 45 km, 2–3 Tage)
Route durch das zentrale Hochland zur Askja-Caldera – einer der eindrucksvollsten Vulkandestinationen Islands. Nur mit Führung oder sehr viel Geländeerfahrung empfohlen. Schwierigkeit: Sehr anspruchsvoll.
Hornstrandir-Halbinsel (Westfjorde)
Das abgelegenste Trekkinggebiet Islands ist nur per Boot erreichbar. Keine Straßen, keine permanente Besiedlung, Polarbären aus Grönland gelegentlich angespült. Schwierigkeit: Anspruchsvoll; logistisch komplex.
Skaftafell-Gebiet (Vatnajökull-Nationalpark)
Tagestouren und Mehrtagesrouten rund um Skaftafell mit Gletscher- und Wasserfall-Highlights. Schwierigkeit: Leicht bis mittel. Gute Ausgangsbasis für Gletschwanderungen.
Beste Reisezeit für Trekking
Hochlandsaison: Mitte Juni bis September
Das isländische Hochland (miðhálendi) ist nur von ca. Mitte Juni bis Mitte September für Fußgänger und Fahrzeuge zugänglich. In den übrigen Monaten liegt Schnee, die Hütten sind geschlossen und Flüsse führen Hochwasser.
| Monat | Bedingungen |
|---|---|
| Juni | Schnee noch vorhanden auf höheren Wegen; Flüsse führen mehr Wasser; kühl |
| Juli | Beste Bedingungen; warm (10–18 °C tagsüber); alle Wege offen |
| August | Sehr gute Bedingungen; Herbstbeginn Ende des Monats |
| September | Kühler (5–12 °C); weniger Wanderer; frühe Herbstfarben; erhöhtes Sturmrisiko |
Küstenwege ganzjährig
Viele Wanderwege außerhalb des Hochlands sind das ganze Jahr zugänglich: Þingvellir, Snæfellsnes, die Halbinseln der Westfjorde und Wanderungen entlang der Südküste.
Ausrüstung: Was ihr mitbringen müsst
Kleidung (Lagenkleidung)
- Basisschicht: Merino-Wolle oder synthetisches Material (kein Baumwoll-Shirt)
- Mittlere Schicht: Fleece oder leichte Daunenjacke
- Außenschicht: Wasserdichte, atmungsaktive Regenjacke und -hose (Gore-Tex oder ähnlich)
- Warme Mütze und Handschuhe – auch im Juli
- Gamaschen für Schnee- und Lavasektionen
Schuhe
- Wasserdichte Trekkingstiefel mit Knöchelunterstützung
- Steigeisen oder Microspikes für Schneefelder (besonders auf Laugavegur-Etappe 1–2)
- Wechselsocken (mindestens 2 Paar Merinowolle)
Navigation und Sicherheit
- Offline-Karten (maps.me, Gaia GPS) auf dem Smartphone
- Topografische Karte und Kompass als Backup
- Notfallpfeife und Signalgerät
- Erste-Hilfe-Set
- Satellitentelefon oder PLB für sehr abgelegene Routen (Hochland)
Camping und Verpflegung
- Leichtes 3-Jahreszeiten-Zelt (Windstabilität wichtig – isländischer Wind kann sehr stark sein)
- Schlafsack Komforttemperatur -5 °C oder kälter
- Gaskocher + Kartuschen (in Reykjavík kaufen; nicht im Flugzeug transportierbar)
- Leichte, kalorienreiche Lebensmittel für alle Tage (Hütten-Shops sind teuer)
Hütten in Island
Das Netz der isländischen Hütten (skálar) wird hauptsächlich von zwei Organisationen betrieben:
- Ferðafélag Íslands (FÍ): fi.is – größtes Netzwerk, betreibt Hütten auf Laugavegur und Fimmvörðuháls
- Útivist: utivist.is – betreibt Básar in Þórsmörk und weitere Hütten
Buchung: Ausschließlich online; öffnet typischerweise im Januar oder Februar für die Sommersaison. Wer im Juli oder August auf dem Laugavegur wandern möchte, muss oft im Januar buchen.
Typische Hütten-Kosten: ISK 7.000–12.000 pro Nacht im Schlafsaal.
Sicherheit im isländischen Hochland
Wetter
Das Wetter in Island kann sich innerhalb von Minuten komplett ändern. Blauer Himmel kann in 20 Minuten in weißen Sturm umschlagen. Verlasst euch nicht auf Smartphone-Wettervorhersagen für das Hochland – fragt Hüttenmanager oder Guides vor Ort.
Flussüberquerungen
Mehrere Trekkingwege erfordern das Überqueren unbebrickter Flüsse. Wichtige Regeln:
- Überquert morgens (Schneeschmelz-Wasser steigt nachmittags)
- Öffnet Rucksackgurte (im Notfall schnell loswerden)
- Benutzt Wanderstöcke zur Stabilisierung
- Niemals allein überqueren
Mobiltelefon-Empfang
Im Hochland gibt es kaum Mobilnetz. Meldet immer eure geplante Route beim Safe Travel Iceland-Service an (safetravel.is – kostenlos, sehr empfohlen).
Transport ins Hochland
Hochlandbusse (Háslendigleið) verbinden Reykjavík mit den wichtigsten Trekkinggebieten:
- Reykjavík Excursions (RE): bus.is – größtes Netzwerk
- Trex: trex.is – Verbindungen nach Þórsmörk und anderen Hochlandstandorten
Saison: ca. Mitte Juni bis Mitte September. Preise ab ca. ISK 5.000–9.500 pro Strecke.
Kosten für eine typische Trekkingreise
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Bus nach Landmannalaugar (hin+zurück) | ISK 17.000 |
| 4 Hüttenübernachtungen (Laugavegur) | ISK 32.000–40.000 |
| Verpflegung (Eigenversorgung) | ISK 8.000–12.000 |
| Park-Gebühren | ISK 1.000–2.000 |
| Gesamt (ca.) | ISK 58.000–71.000 |
Das entspricht etwa EUR 390–480 – günstig für ein 4-tägiges Hüttentrektking in Europa.