Das isländische Hochland (íslenska hálendið) ist das größte unberührte Wildnisgebiet Europas – ein riesiges Lavaplateau über 400 m Höhe, das den gesamten inneren Teil der Insel einnimmt. Keine Städte, keine Straßen im regulären Sinne – nur F-Straßen (Pisten für Allradfahrzeuge), Flussüberquerungen ohne Brücken, Vulkankrater, Heißquellen und Gletscherzungen.
Das Hochland öffnet typischerweise Mitte Juni bis Anfang Juli (je nach Schneeschmelze) und schließt wieder im September oder Oktober. Außerhalb dieser Zeit sind F-Straßen für alle Fahrzeuge gesperrt – und das ist keine Empfehlung, sondern Vorschrift.
F-Straßen: Grundregeln
Allradfahrzeug Pflicht (4WD): Alle F-Straßen erfordern ein Fahrzeug mit echtem Allradantrieb und hoher Bodenfreiheit. Normale 2WD-Fahrzeuge sind verboten und Mietverträge werden bei F-Straßen-Schäden ungültig. Auch handelsübliche SUVs mit Allrad sind nicht automatisch ausreichend – Bodenfreiheit und Achsverschränkung müssen stimmen.
Flussüberquerungen: Viele F-Straßen erfordern unbegrenzte Flussüberquerungen. Tiefe variiert je nach Wetter und Schneeschmelze. Vor der Überquerung immer Tiefe prüfen (aussteigen, mit Stock messen oder lokale Einschätzung einholen). Bei Zweifel nicht fahren.
Aktuelle Straßenstatus: Die Vegagerðin (Isländisches Straßen- und Küstenbehörde) veröffentlicht tagesaktuelle F-Straßen-Status auf road.is – immer vor Abfahrt prüfen.
Askja-Caldera
Askja (1.516 m) ist eines der beeindruckendsten Vulkansysteme Islands – eine riesige Caldera im Nordosten des Hochlands, in deren Inneren der Víti-Kraterkesser liegt, gefüllt mit milchig-blauem Schwefelwasser (ca. 20–25 °C, zum Baden zugänglich). Die Fahrt zum Askja über die F88 ist lang und erfordert mehrere Flussüberquerungen.
Anfahrt: Ab Mývatn ca. 2,5–3 Stunden auf der F88; ab Reykjavík tagesausflug technisch möglich aber sehr lang. Organisierte Tagestouren ab Mývatn empfohlen (ca. ISK 20.000 pro Person).
Kerlingarfjöll
Ein Rhyolith-Bergmassiv im Kjölur-Gebiet (F35-Route), bekannt für die Hveradalir-Geothermallandschaft mit dampfenden Fumarolen, heißen Bächen und leuchtend bunten Mineralmineralen in Gelb, Orange und Rot. Wanderungen in Hveradalir benötigen ca. 2–3 Stunden für die wichtigsten Punkte.
Anfahrt: F35 (Kjölur-Route) ab Selfoss oder Varmahlíð; kein extremes 4WD nötig, normale Hochland-Vorsicht gilt. Kerlingarfjöll Resort bietet Übernachtung und geführte Touren vor Ort.
Hveravellir
Ein geothermisches Gebiet auf der Kjölur-Route, ungefähr auf halbem Weg zwischen Gullfoss und Varmahlíð. Hier gibt es einen natürlichen Heißtopf (Öskurhólslaug) mit ca. 40 °C Wassertemperatur – einen der besten abgelegenen Außen-Heißtöpfe Islands. Hütte und Camping vor Ort. Eintritt für den Heißtopf ca. ISK 1.500.
Laugavegur-Fernwanderweg
Der 55 km lange Laugavegur von Landmannalaugar nach Þórsmörk ist Islands berühmtester Wanderweg. 4 Etappen, 4 Tage Standard. Hütten müssen Monate im Voraus gebucht werden (fi.is). Flussüberquerungen, variabler Schnee, extreme Wetteränderungen – für erfahrene Wanderer.
Landmannalaugar
Das Hochlandtal mit bunten Rhyolithbergen und natürlichen Heißquellen ist Ausgangspunkt des Laugavegur und ein Tagesausflugsziel in sich. Hochlandbusse fahren ab Reykjavík in der Saison (ca. ISK 8.500 einfach, Reykjavík Excursions). Eigenes Fahrzeug nur mit echtem Allrad über F-Straßen möglich.
Sprengisandur (F26)
Die lange Querroute durch die zentrale Hochlandwüste – eine der einsamsten Strecken Islands. Fast keine Infrastruktur über Hunderte Kilometer. Für erfahrene Offroad-Fahrer mit Vorbereitung; nicht für Unerfahrene.
Buchungssaison
- F-Straßen öffnen: Mitte Juni bis Anfang Juli (je nach Jahr)
- Hütten auf dem Laugavegur: Buchung ab Januar für Sommersaison
- Hochlandbusse: ab Juni buchbar (reykjavikexcursions.is)
- Beste Wandermonate: Juli und August