Kerlingarfjöll ist eines der am wenigsten bekannten und visuell überzeugendsten Reiseziele im isländischen Hochland. Das Rhyolith-Bergmassiv liegt auf der F35 Kjölur-Route, ca. 100 km nördlich von Gullfoss, und beherbergt das Hveradalir-Tal – ein geothermisches Wundergebiet mit dampfenden Fumarolen, leuchtend bunten Mineralböden und heißen Bächen, durch die man hindurchwaten kann. Das Resort vor Ort macht Kerlingarfjöll zu einem der wenigen Hochlandziele, an dem man komfortabel übernachten kann.
Anreise
F35 Kjölur-Route: Die Kjölur-Route ist eine der zugänglicheren F-Straßen des isländischen Hochlands – keine tiefen Flussüberquerungen wie auf anderen F-Straßen, aber dennoch Allradfahrzeug (4WD) Pflicht. Die Strecke wird ab Gullfoss (Goldener Ring) nördlich oder von Varmahlíð südlich befahren.
F347 Abzweigung: Vom F35 zweigt die F347-Piste zum Kerlingarfjöll Resort ab. Diese ist kürzer, aber steiler und erfordert mehr Bodenfreiheit. Das Resort liegt ca. 8 km vom F35 entfernt.
Öffnungszeit: Das Resort und Hveradalir sind typischerweise ab Ende Mai bis Anfang Oktober zugänglich. Die F35 öffnet meist im Juni; die F347 zum Resort kann etwas früher öffnen, wenn Schneeverhältnisse es erlauben.
Kein Allradfahrzeug: Hochlandbusse der Reykjavík Excursions fahren in der Saison auf der Kjölur-Route und stoppen auf Anfrage am Kerlingarfjöll-Abzweig. Geführte Touren ab Reykjavík oder ab Akureyri verfügbar (ca. ISK 20.000–30.000 pro Person).
Hveradalir-Tal
Das Hveradalir ist das Herzstück von Kerlingarfjöll. Eine Wanderung durch das Tal dauert 2–3 Stunden für die wichtigsten Punkte:
- Dampfende Fumarolen: Schwefeldampf steigt aus den Felsspalten. Der Geruch ist unverkennbar, die Hitze in direkter Nähe spürbar.
- Bunte Mineralböden: Gelbe Schwefelablagerungen, rote Eisenoxide, graue Asche – die Farbpalette ist unisländisch bunt in einer sonst monochromen Hochlandlandschaft.
- Heiße Bäche: Mehrere Bäche in Hveradalir sind durch Geothermie warm bis heiß. Einige stellen Wanderer vor die Frage, ob man die Schuhe auszieht und hindurchwatet (möglich, aber Achtung: Wassertemperatur und Untergrundstabilität variieren).
Wanderung erfordert gute Schuhe und Wetterkleidung; keine technischen Kletterabschnitte. Markierung durch Stöcke und Steinmännchen (Cairns).
Natürliche Heißquellen / Outdoor-Pool
Das Kerlingarfjöll Resort hat einen beheizten Außenpool mit geothermalem Wasser – zugänglich für Gäste und Tagesbesucher (Gebühr ca. ISK 1.500). Wer ins Hochland kommt und die Hochlandstimmung noch im Wasser erleben möchte, kann nach der Wanderung durch Hveradalir ins Becken steigen. Ein ungewöhnlicher Kontrast: dampfende Fumarolen ringsum, Bergmassiv im Hintergrund, warmes Wasser.
Übernachtung
Das Kerlingarfjöll Resort bietet verschiedene Unterkunftsformen:
- Hüttencottages: Einfache, wetterfeste Holzhütten; mehrere Personen pro Hütte. Ab ca. ISK 18.000 pro Nacht.
- Schlafsaal: Günstigere Option mit Gemeinschaftsduschen; ab ca. ISK 6.000 pro Person.
- Camping: Auf dem Resortgelände, eigenes Zelt. Ca. ISK 1.500 pro Person.
Restaurant im Resort: Frühstück und Abendessen, einfache isländische Küche. Hauptgerichte ca. ISK 3.500–5.500.
Buchung: Über kerlingarfjoll.is. In der Hochsaison (Juli–August) frühzeitig buchen – Plätze begrenzt.
Wanderrouten ab Resort
Über Hveradalir hinaus gibt es mehrere markierte Wanderwege in den Kerlingarfjöll-Bergen:
- Fannborg-Gipfel (5–6 Std. Runde): Der höchste zugängliche Punkt der Region mit Blick auf das gesamte Hochland
- Loðmundur-Route (3–4 Std.): Führt durch das gesamte Geothermiegebiet und zurück über Aussichtspunkte
- Leggjabrjótur-Runde (2 Std.): Kürzere Runde, geeignet für Familien und Gelegenheitswanderer
Wanderkarten im Resort erhältlich.
Praktische Tipps
- Wetter: Hochlandwetter wechselt schnell. Regen, Nebel und Wind sind auch im Juli möglich. Vollständige Regenausrüstung Pflicht.
- Mobilfunk: Sehr eingeschränkt. Offline-Karten (maps.me oder AllTrails) herunterladen.
- Tankstellen: Keine im Hochland. In Gullfoss oder Varmahlíð volltanken vor der Einfahrt.
- Rettungshütten: Entlang der F35 sind orangefarbene Notunterkünfte markiert – nur für Notfälle.