Island ist eines der fotogenischsten Länder der Welt. Dramatische Kontraste, wechselndes Licht und unberührte Landschaften bieten täglich neue Motive. Aber Island fotografieren erfordert Vorbereitung – Kälte, Gischt, kurze Lichtverhältnisse und weite Distanzen stellen besondere Anforderungen.
Goldene Stunde und Blaue Stunde
Islands Lichtverhältnisse sind extremer als in Mitteleuropa:
Sommer (Juni–August): Die Sonne geht kaum unter. Die goldene Stunde dauert im Juni von ca. 22:00 bis 01:00 Uhr – ein surreales warmes Licht für Stunden statt Minuten. Mitternachtssonne macht Zeitplanung schwierig; alles sieht gleichmäßig gut belichtet aus.
Winter (Oktober–Februar): Nur 4–7 Stunden Tageslicht, aber diese Stunden sind gold. Die Sonne bleibt tief am Horizont und taucht alles in warmes Seitenlicht. Selbst um 11 Uhr morgens hat man goldenes Licht.
Empfehlung: PhotoPills oder The Photographer’s Ephemeris App nutzen für genaue Sonnenauf/-untergangszeiten und goldene-Stunde-Timing.
Nordlichter fotografieren
Einstellungen als Ausgangspunkt:
- ISO: 800–3200 (je nach Aurora-Intensität)
- Blende: f/2.8 oder weiter offen (f/1.8 ideal)
- Belichtungszeit: 5–20 Sekunden (kürzere Zeit bei schnell bewegender Aurora)
- Weißabgleich: 3800–4500K (verhindert Überbelichtung des Grüns)
Stativ: Absolut notwendig. Ein Stativ der mittelpreisigen Klasse (200–300 EUR) reicht – aber Beine müssen auf Fels oder gefrorener Erde stabilisiert werden.
Fokus: Auf unendlich manuell fokussieren. Autofokus versagt nachts. Leuchtende Sterne oder einen fernen Horizont als Fokuspunkt nutzen.
Beste Nordlichter-Spots:
- Jökulsárlón (Gletscherlagune) – Spiegelung in der Lagune
- Kirkjufell (Snæfellsnes) – ikonischer Bergrahmen
- Þingvellir-Nationalpark (dunkel, kein Stadtlicht)
- Grundarfjörður – Fjordblick + Kirkjufell
Wasserfälle fotografieren
Seidenweicher Wasserfall-Effekt:
- Belichtungszeit: 1–5 Sekunden (Stativ notwendig)
- Blende: f/8–f/16
- Filterempfehlung: ND-Filter (Neutraldichtefilter) für Tageslichtaufnahmen mit langer Belichtung
Seljalandsfoss: Als einziger großer isländischer Wasserfall begehbar. Regenponcho oder Drybag für Kamera – die Gischt durchnässt Equipment. ISK 900 Parkgebühr.
Skógafoss: Am besten morgens (wenig Publikum, Morgenlicht von Osten). Treppe auf die Klippe für Vogelperspektive.
Dynjandi (Westfjorde): 60 km nördlich von Ísafjörður. Fächerförmig und breiter als hoch – Weitwinkelobjektiv empfohlen.
Gletscherlagune Jökulsárlón
Beste Fotozeit:
- Blaue Stunde vor Sonnenaufgang (Eis leuchtet bläulich)
- Goldene Stunde nach Sonnenuntergang
- Nordlichter-Nächte (Oktober–März)
Diamantstrand (Diamond Beach): 2 Minuten zu Fuß von Jökulsárlón. Eisblöcke auf schwarzem Lavastrand – einer der meistfotografierten Orte Islands. Frühmorgens (vor 8 Uhr) kaum andere Touristen.
Ausrüstungsschutz in Island
Kälte: Li-Ion-Akkus verlieren bei -10°C bis zu 50% ihrer Kapazität. Ersatzakkus in Innentasche (körperwarm) transportieren.
Feuchtigkeit: Mikrofasertücher, Drybags für Kameratasche, Regenschutz. Gischt an Wasserfällen und Atlantikküste kann Linsen innerhalb von Minuten beschlagen.
Staub und Asche: Beim Wechsel von Objektiven auf Wind achten – isländischer vulkanischer Staub ist sehr fein und dringt in Objektive ein.
Drohnen in Island
Drohnen sind erlaubt in den meisten Teilen Islands, aber mit Einschränkungen:
- Nationalparks: Nur mit Sondergenehmigung
- Vogelbrutgebiete (Mai–August): Eingeschränkt
- Flugverbotszonen um Flughäfen: Standardmäßig verboten
- Maximale Flughöhe: 120 m
Ísavia (isländische Luftfahrtbehörde) betreibt ein Online-Portal für Drohnen-Registrierung.
Empfohlene Objektive
- Weitwinkel (16–24mm): Landschaften, Nordlichter, Wasserfälle
- Standardzoom (24–70mm): Städte, Reisefotos
- Teleobjektiv (70–300mm): Wildtiere (Puffins, Wale), Berge aus der Ferne