Island ist ein Land des Eises und des Feuers – und eine Gletscherwanderung gehört zu den eindrucksvollsten Möglichkeiten, die Gletscherwelt hautnah zu erleben. Vatnajökull, der größte Gletscher Europas, bedeckt rund 8 % der isländischen Landfläche. Hinzu kommen Sólheimajökull, Snæfellsjökull und viele weitere Gletscherzungen, auf denen geführte Touren angeboten werden.
Geführte Touren sind Pflicht
Das eigenständige Betreten von Gletschern ohne professionelle Führung ist in Island gefährlich und wird offiziell nicht empfohlen. Gletscherspalten, versteckte Hohlräume und unberechenbare Oberflächen machen eine sachkundige Begleitung unerlässlich. Alle seriösen Anbieter stellen Steigeisen, Helme und Eispickel zur Verfügung – ihr müsst keine eigene Ausrüstung mitbringen.
Die beliebtesten Gletscher für Wanderungen
Sólheimajökull
Sólheimajökull ist eine Gletscherzunge des Mýrdalsjökull und liegt direkt an der Ringstraße (Route 1), ca. 170 km östlich von Reykjavík. Er ist der meistbesuchte Gletscher Islands für Wandertouren – dank seiner guten Erreichbarkeit und beeindruckenden Landschaft aus Blaueis, Schmelzwassertümpeln und vulkanischer Asche.
- Dauer: 3–4 Stunden (inkl. An- und Abmarsch)
- Schwierigkeit: Mittel – keine Kletterausrüstung nötig, gute Fitness erforderlich
- Preis: ab ISK 9.900 pro Person
- Buchung: Direkt vor Ort oder online; Touren starten täglich
Vatnajökull
Vatnajökull bietet verschiedene Einstiegspunkte. Skaftafell (im Vatnajökull-Nationalpark) ist der klassische Ausgangspunkt für Gletscherwanderungen. Von hier aus gelangt ihr auf die Skaftafellsjökull-Gletscherzunge.
- Dauer: 3–6 Stunden, je nach Tourart
- Preis: ab ISK 8.900 für Basistouren; Eisklettern ab ISK 15.900
- Highlight: Auf Vatnajökull sind auch Eis-Klettertouren und mehrtägige Expeditionen möglich
Snæfellsjökull
Der mythische Gletscher auf der Snæfellsnes-Halbinsel wurde durch Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde” weltberühmt. Touren hier sind weniger überlaufen als auf Sólheimajökull.
- Dauer: 3–4 Stunden
- Preis: ab ISK 12.900
- Anreise: Ca. 170 km nordwestlich von Reykjavík
Was ihr tragen solltet
Obwohl Ausrüstung gestellt wird, seid ihr für eure eigene Kleidung verantwortlich:
- Wasserdichte Jacke und Hose (obligatorisch)
- Warme Zwischenschicht (Fleece oder Daunenjacke)
- Wanderstiefel mit Knöchelstütze (Gummistiefel werden manchmal gestellt, aber eigene Wanderstiefel sind bequemer)
- Warme Handschuhe (Gletscherwind kann beißend kalt sein)
- Wechselkleidung im Auto lassen
Tragt keine Jeans – Baumwolle trocknet langsam und kühlt den Körper bei Nässe stark aus.
Eiskletter-Touren
Für Abenteuerhungrigere gibt es Eisklettertouren, bei denen ihr mit Eispickeln und Steigeisen senkrechte Eiswände erklimmt. Diese Touren werden hauptsächlich in Skaftafell und an der Südküste angeboten.
- Voraussetzungen: Keine Klettervorerfahrung nötig, gute körperliche Fitness
- Dauer: 4–6 Stunden
- Preis: ab ISK 15.900
Sicherheitshinweise
- Folgt immer den Anweisungen eures Guides – sie kennen die aktuellen Bedingungen auf dem Gletscher
- Verlasst nie den markierten Weg oder die Gruppe
- Trinkt ausreichend Wasser – Gletscherwanderungen sind körperlich anstrengend
- Schutz vor Sonnenbrand: Das Eis reflektiert UV-Strahlung stark – Sonnencreme und Sonnenbrille sind Pflicht
Gletscher und Klimawandel
Islands Gletscher schmelzen messbar schneller als noch vor 20 Jahren. Sólheimajökull hat sich seit 1930 um rund 1,5 km zurückgezogen. Reist ihr heute nach Island, seht ihr diese Gletscher in einem Zustand, den zukünftige Generationen vielleicht nicht mehr erleben werden. Viele Guides thematisieren diesen Aspekt auf ihren Touren.
Kombination mit anderen Aktivitäten
Gletscherwanderungen lassen sich gut kombinieren mit:
- Eishöhlentouren (Oktober–März, wenn das Eis für Eishöhlen zugänglich ist)
- Südküsten-Rundfahrten (Seljalandsfoss, Skógafoss, Reynisfjara, Jökulsárlón liegen auf der gleichen Route)
- Snorkeln in Silfra (für die ganz Abenteuerlustigen: Gletscher und Tauchgang am selben Tag)