Westfjorde: Islands abgelegener Nordwesten

Die Westfjorde sind der abgelegenste und am wenigsten besuchte Teil Islands. Die Halbinsel im Nordwesten hat eine komplizierte Topographie: lange Fjorde, die tief ins Land einschneiden, und Straßen, die keine Brücken oder Tunnel haben und jeden Fjord einzeln umfahren müssen. Das macht Entfernungen viel größer als auf der Karte – 100 Kilometer auf der Karte können 2 Stunden Fahrtzeit bedeuten. Die Westfjorde sind der Preis für die Ruhe: Wer sich die Zeit nimmt, findet hier die spektakulärsten Sehenswürdigkeiten ohne Menschenmassen.

Anreise in die Westfjorde

Mit dem Auto über Route 60: Von Reykjavík über Borgarnes auf die Route 60. Die Einfahrt in die Westfjorde beginnt ca. 200 km nördlich von Reykjavík. Bis Ísafjörður (Hauptstadt) sind es ca. 445 km Gesamtfahrweg – aber die letzten 200 km dauern wegen der vielen Fjordumfahrungen etwa genauso lang wie die ersten 200 km.

Mit dem Flugzeug: Eagle Air fliegt mehrmals täglich von Reykjavík nach Ísafjörður (IFJ). Flugzeit ca. 40 Minuten. Günstiger Einstieg, wenn man die Westfjorde über Ísafjörður erkunden will.

Mit der Fähre Baldur: Von Stykkishólmur (Snæfellsnes) nach Brjánslækur im Süden der Westfjorde. Tägliche Fahrten im Sommer. Fahrtzeit ca. 2,5 Stunden. Von Brjánslækur nach Ísafjörður noch 2,5 Stunden Autofahrt. Diese Option ist bei Reisenden beliebt, die Snæfellsnes und Westfjorde kombinieren.

Straßenzustand: Viele Straßen in den Westfjorden sind Schotter (F-Straßen oder unbefestigte Regionalstraßen). Ein Allradfahrzeug ist nicht immer Pflicht, aber empfohlen.

Dynjandi – der Kronprinz der Westfjorde

Dynjandi ist der beeindruckendste Wasserfall der Westfjorde und einer der schönsten Islands. Er liegt im Arnarfjörður und fällt in mehreren Stufen über 100 Meter – die oberste Stufe ist 30 Meter breit, die unterste deutlich breiter. Der Weg vom Parkplatz (kostenlos) zum Hauptfall dauert ca. 20 Minuten. Man passiert dabei mehrere kleinere Wasserfälle der Dynjandi-Kaskade (Hæstahjallafoss, Strompgljúfrafoss, Göngumannafoss u.a.).

Dynjandi ist für Reisende zugänglich, die von der Fähre in Brjánslækur kommen (ca. 45 Minuten Fahrt) oder über Route 60 aus dem Norden. Kein Eintritt.

Látrabjarg – Europas westlichster Punkt

Látrabjarg ist ein bis zu 440 Meter hoher Kliff am westlichsten Punkt Islands (und Europas westlichstem Punkt auf dem Festland). Es ist der größte Vogelfelsen der Welt nach Anzahl brütender Seevögel – mit Tausenden von Tölpeln, Tordalken, Trottellummen und Papageitauchern. Die Papageitaucher nisten in Erdhöhlen direkt am Kliffrand und haben oft keine Scheu vor Menschen.

Die Anfahrt von Brjánslækur dauert ca. 1,5–2 Stunden auf Schotterstraße. Der Kliff ist in einem kurzen Spaziergang erreichbar. Kein Eintritt, aber Respektabstand zu Vögeln halten.

Rauðasandur (Roter Sandstrand): Kurz vor Látrabjarg liegt einer der seltenen Sandstrände Islands in rötlicher Farbe – ein starker Kontrast zum schwarzen Lavasand des Südens.

Hornstrandir Naturreservat

Hornstrandir liegt im äußersten Norden der Westfjorde und ist eines der einsamsten Gebiete Europas. Das Reservat ist autolos – der einzige Zugang ist per Boot von Ísafjörður. Einwohner gibt es keine mehr (die letzten verließen das Gebiet in den 1950er Jahren). Arktische Füchse haben keine Scheu vor Menschen und sind leicht zu fotografieren. Papageitaucher und andere Seevögel nisten in großen Kolonien.

Bootstouren von Ísafjörður ca. ISK 12.000–20.000, je nach Dauer und Anbieter. Mehrtägige Camping-Expeditionen sind möglich, aber gut planen.

Patreksfjörður

Patreksfjörður ist das größte Dorf im Südwesten der Westfjorde (ca. 700 Einwohner). Es ist der nächste Ort zu Látrabjarg und Rauðasandur und hat eine Tankstelle, Supermarkt und Guesthouses.

Ísafjörður

Die Hauptstadt der Westfjorde ist der urbane Hub der Region. Für detaillierte Infos zum Ísafjörður-Stadtguide.

Reykjanestá und Selárdalur

Im nördlichen Teil der Westfjorde gibt es weitere Fjorde und verlassene Farmen, die sich für Aktivwanderer eignen. Reykjanes (nicht zu verwechseln mit der Halbinsel im Süden) bietet geothermische Aktivität und ein kleines Spa.

Unterkünfte in den Westfjorden

Optionen sind begrenzt und frühzeitig buchen ist entscheidend:

  • Ísafjörður: Hotel Ísafjörður, Guesthouses (ab ca. ISK 14.000)
  • Patreksfjörður: Fosshótel Westfjords (Saison), Guesthouses
  • Brjánslækur: Kleine Guesthouses nahe der Fähre
  • Camping: Campingplätze in Ísafjörður und Patreksfjörður, weitere saisonal

Essen

Außerhalb von Ísafjörður ist die Restaurantdichte sehr niedrig. Selbstversorger haben einen klaren Vorteil. Supermärkte in Ísafjörður und Patreksfjörður; sonst wenig.

Praktische Tipps

  • Benzin: Lange Abstände zwischen Tankstellen. Immer mit vollem Tank fahren.
  • Straßeninfos: Viele Straßen sind Schotter und können nass und glitschig sein. Auf road.is aktuelle Zustände prüfen.
  • Zeit einplanen: Die Westfjorde brauchen Zeit. Eine Übernachtung reicht nicht – drei bis fünf Tage für eine sinnvolle Rundtour.
  • Satellitentelefon: In abgelegenen Teilen kein Mobilfunk. Für Mehrtages-Wanderungen in Hornstrandir ein Satellitengerät empfohlen.
  • Saison: Juli–August für Hornstrandir und Bootstouren. Mai–Juni für ruhigere Bedingungen.

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