Island zum ersten Mal: Alles was Erstbesucher wissen müssen

· 4 min read Practical
Reisender am isländischen Wasserfall mit Mietauto im Hintergrund

Island unterscheidet sich von den meisten Reisezielen: Keine tropische Hitze, keine Stadtbesichtigungen in engen Gassen, kein Trinkgeld. Stattdessen: weite Vulkanlandschaften, Schotterstraßen, Preise, die höher sind als erwartet, und Wetter, das sich stündlich ändert. Dieser Leitfaden bereitet Erstbesucher auf das vor, was Island tatsächlich ist.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Island ist ganzjährig besuchbar, aber die Erfahrung unterscheidet sich stark:

Sommer (Juni–August): Mitternachtssonne, alle Straßen geöffnet, Puffins, warm (10–18°C). Teuerste und beliebteste Zeit.

Winter (November–März): Nordlichter, Eishöhlen, Schnee. Dunkel (4–6 Stunden Tageslicht im Dezember), aber 20–30% günstiger.

Übergangszeiten (April–Mai, September–Oktober): Weniger Massen, günstigere Preise, Nordlichter möglich ab September. Oft bester Wert.

Mietwagen buchen

Ein Mietwagen ist für die meisten Island-Reisenden unverzichtbar – öffentlicher Transport außerhalb Reykjavíks ist minimal. Wichtige Punkte:

Wann buchen: Im Sommer 3–4 Monate im Voraus, besonders Juli–August. Winterbuchungen kürzer im Voraus möglich.

Fahrzeugwahl: Für die Ringstraße (Route 1) reicht ein normaler PKW aus. Für Hochlandstraßen (F-Straßen) ist ein 4WD mit hoher Bodenfreiheit Pflicht – kein normaler Kleinwagen, auch kein normaler SUV.

Versicherungen:

  • CDW (Collision Damage Waiver): Pflicht
  • SAAP (Sand and Ash Protection): Empfohlen – Sandstürme und Schotter beschädigen Lackierung
  • Gravel Protection: Für Schotterstraßen empfohlen
  • Ohne diese Versicherungen kann ein Steinschlag ISK 150.000–300.000 kosten

Führerschein: EU-Führerschein ausreichend. Internationaler Führerschein aus Drittländern empfohlen.

Blue Lagoon: Vorab buchen

Die Blue Lagoon akzeptiert keine spontanen Besuche – Online-Voranmeldung ist Pflicht. Frühzeitig (4–6 Wochen) buchen, besonders im Sommer.

Preise (Stand 2025–2026): Comfort ab ISK 9.990, Premium ISK 13.990, Retreat ISK 19.990+. Handtuch ISK 700 Aufpreis ohne Buchung.

Wann gehen: Frühmorgens (8–9 Uhr, sobald geöffnet) für weniger Betrieb. Oder Abend ab 18 Uhr.

Hinweis Grindavík: Die Blue Lagoon liegt in der Nähe von Grindavík auf der Reykjanes-Halbinsel, einer aktiven Vulkanzone. road.is vor dem Besuch prüfen.

Straßen und Fahrregeln

Rechtsverkehr: Island hat Rechtsverkehr (wie Deutschland).

Geschwindigkeitslimits: Asphaltstraßen 90 km/h, Schotterstraßen 80 km/h, Ortschaften 50 km/h. Striktes Tempolimit – Kameras überall.

Brücken: Viele einspurige Brücken. Wer zuerst an der Brücke ankommt und Platz hat, fährt. Wenn die gegenkommende Seite näher ist, warten.

F-Straßen: Nur mit zugelassenem 4WD. Mietwagen-Versicherung erlischt auf F-Straßen mit falschem Fahrzeug.

Winterreifen: Pflicht November–April. Im Sommer Sommerreifen.

road.is: Tägliche Straßenkarte für ganz Island. App und Website zeigen gesperrte, geöffnete und schwierige Strecken.

Geld und Bezahlen

Währung: Isländische Krone (ISK). Wechselkurs September 2026: ca. 1 EUR = 148–155 ISK.

Kreditkarte: Überall akzeptiert, auch für kleinste Beträge (Hotdog, Parkgebühr). Viele Isländer zahlen alles per Karte.

Bargeld: Nicht unbedingt nötig. ATMs in Reykjavík und großen Orten verfügbar.

Trinkgeld: Nicht erwartet und nicht üblich. In gehobenen Restaurants optional, aber kein Druck.

Wetter und Kleidung

Was Island bedeutet: Das Wetter ändert sich schnell. Sonnenschein kann binnen 30 Minuten zu Schnee werden, auch im Sommer.

Kleidung (Zwiebelprinzip):

  • Basisschicht: Merino-Wolle oder synthetisch
  • Zwischenschicht: Fleece oder Daunenjacke
  • Außenschicht: Wasserdichte und windundurchlässige Regenjacke

Isländische Nationalkleidung: Lopapeysa – traditioneller Wollpullover. In Reykjavík-Läden kaufbar, ISK 15.000–30.000.

Schuhe: Wasserdichte Wanderschuhe für Wanderungen, feste Schuhe für allgemeine Nutzung.

Wichtige Apps

112 Iceland: Notfall-SOS-App. GPS sendet eigene Position an isländische Rettungskräfte. Pflicht für Wanderer und F-Straßen-Benutzer.

Vedur.is: Isländischer Wetterdienst – genaueste Wettervorhersage für Island.

road.is: Straßenkarte und -bedingungen in Echtzeit.

Safetravel.is: Reiseplan hinterlegen für Hochlandtouren.

Häufige Fehler von Erstbesuchern

Unterschätzter Zeitaufwand: Die Entfernung auf der Karte entspricht nicht der Fahrzeit auf Schotterstraßen. 80 km auf F-Piste = 2–3 Stunden.

Zu wenig Zeit: Eine Woche ist knapp für Island. 10–14 Tage ideal für Ring Road.

Spontane Blue Lagoon-Besuche: Nicht möglich ohne Buchung.

Reynisfjara-Leichtsinn: Der schwarze Sandstrand hat „Sneaker Waves” – Wellen, die ohne Warnung weit auf den Strand kommen. Mehrere Todesfälle jährlich. Immer Abstand halten.

Fahren auf F-Straßen mit falschem Fahrzeug: Versicherung erlischt, hohe Bußgelder.

Essen in Touristenrestaurants: ISK 3.500–6.500 für ein einfaches Hauptgericht. Supermarkt (Bónus, Krónan) und selbst kochen spart bis zu 60% der Lebensmittelkosten.

Sicherheit

Island ist eines der sichersten Länder der Welt. Kriminalität extrem selten. Die Gefahren auf Island sind natürlicher Art:

  • Wetter (Sturm, Kälte, Nebel)
  • Vulkanaktivität (Reykjanes-Halbinsel aktuell aktiv)
  • Gletscherwandern ohne Führung gefährlich
  • Sneaker Waves an Schwarzsandstränden
  • Unzureichende Ausrüstung bei Wanderungen

Notfallnummer: 112 (wie in der EU).

Reykjavik Rettungsdienst: SAR-Teams (freiwillig) retten jährlich Touristen aus schwierigen Lagen. Kosten für Rettung sind in Island oft nicht versichert – Reiseversicherung mit Bergrettung abschließen.

→ Touren auf Island buchen

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