Eishöhlen gehören zu den faszinierendsten Naturphänomenen Islands. Unter den mächtigen Gletschern – vor allem unter Vatnajökull – entstehen jedes Jahr im Winter durch Schmelzwasserströme natürliche Höhlen aus leuchtendem Blaueis. Der Anblick dieser transluzenten, in tiefem Blau schimmernden Wände ist schlicht atemberaubend.
Wann kann man Eishöhlen besuchen?
Eishöhlen sind ein saisonales Phänomen und nur während der Wintermonate zugänglich:
- Saison: Oktober bis März (manchmal bis April bei kalten Wintern)
- Beste Monate: November bis Februar – das Eis ist am stabilsten und die Farben am intensivsten
- Sommermonate: Eishöhlen sind nicht betretbar, da das Eis durch Wärme instabil und gefährlich wird
Die jährliche Öffnung hängt von den Witterungsverhältnissen ab. Guides überwachen täglich die Bedingungen und sagen Touren bei Gefahr ab.
Vatnajökull: Das Zentrum der Eishöhlen
Vatnajökull ist der größte Gletscher Europas (ca. 8.100 km²) und liegt in Ostisland. Unter seinem Eismantel befinden sich mehrere zugängliche Höhlensysteme, die jedes Jahr an leicht unterschiedlichen Stellen entstehen:
Kristallhöhle (Crystal Ice Cave)
Die bekannteste Eishöhle Islands liegt nahe Jökulsárlón. Das Eis zeigt intensive Blautöne und gelegentlich schwarze Lavastreifen – ein visueller Kontrast, der kaum zu beschreiben ist.
- Ausgangspunkt: Jökulsárlón Gletscherlagune
- Dauer: 2–3 Stunden (inkl. Super-Jeep-Transfer)
- Preis: ca. ISK 14.900–17.900 pro Person
- Gruppengröße: Meist 8–15 Personen
Blaue Eishöhle (Blue Ice Cave)
Allgemeinerer Begriff für die verschiedenen blauen Höhlenformationen unter Vatnajökull. Ortskundige Guides finden jede Saison neue Zugangspunkte.
Eishöhlen in Skaftafell
Skaftafell (im Vatnajökull-Nationalpark) ist ein weiterer Ausgangspunkt für Eishöhlentouren, oft kombiniert mit Gletscherwanderungen.
Buchung und Logistik
Bucht frühzeitig: Eishöhlentouren – besonders zur Kristallhöhle – sind weit im Voraus ausgebucht. Wer im Dezember oder Januar fahren will, sollte idealerweise im September oder Oktober buchen.
Super-Jeeps: Alle Touren nutzen spezielle Hochrad-Geländewagen (Super-Jeeps), um über das unwegsame Gletschergelände zu fahren. Diese Fahrzeuge sind im Preis inbegriffen.
Wichtige Anbieter:
- Local Guide (Localguide.is) – einer der größten Anbieter für Eishöhlen
- Arctic Adventures – bietet Kombinationen mit Gletscherwanderungen
- Glacier Guides – spezialisiert auf Vatnajökull
Sicherheit in Eishöhlen
Eishöhlen sind nicht ungefährlich, wenn man sie ohne Guide betritt. Folgende Risiken bestehen:
- Einsturzgefahr: Wärme, Schmelzwasser oder mechanische Erschütterungen können Deckeneis lösen
- Schlechte Sicht: Im Inneren kann es dunkel und eng werden
- Unterkühlung: Temperaturen in Eishöhlen liegen oft bei -5 bis 0 °C
Betretet niemals eine Eishöhle ohne zertifizierten Guide und ohne Genehmigung des Höhlenbesitzers/der Nationalparkverwaltung.
Was ihr mitnehmen solltet
- Warme, wasserfeste Kleidung (Thermo-Unterwäsche empfohlen)
- Robuste, wasserfeste Wanderstiefel
- Handschuhe (mehrere Lagen)
- Stirnlampe (nicht immer nötig, aber hilfreich)
- Kamera mit Weitwinkelobjektiv für die engen Höhlenräume
Steigeisen und Helme werden von den Guides gestellt.
Fotografie in Eishöhlen
Das leuchtende Blaueis ist ein Traumobjekt für Fotografen. Empfohlene Einstellungen:
- ISO 400–1600 (je nach vorhandenes Licht)
- Blende f/4–f/8
- Stativ empfohlen (viele Guides erlauben es in den Höhlen)
- Weißabgleich auf „Schatten” setzen, um das Blau zu betonen
Künstliche Eishöhlen als Alternative
Wer nicht in der Wintersaison reist oder keine natürliche Eishöhle erreichen kann, hat eine Alternative: Das Langjökull-Gletscher-Tunnelprojekt bietet das ganze Jahr geführte Touren durch einen in den Gletscher gegrabenen Tunnel. Dies ist kein natürliches Phänomen, aber ein beeindruckendes Erlebnis.
- Lage: Langjökull, ca. 170 km nordöstlich von Reykjavík
- Preis: ca. ISK 19.900 pro Person
- Verfügbar: Ganzjährig